Wir trauern um Max G. Bailly

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In den letzten Jahren traf man Max G. Bailly an der FKN vor allem in der Villa Melchior an, wo er sich regelmäßig zur Meditation einfand, in dem von ihm mitbegründeten Meditationsraum. Ein Ort der Stille, der Konzentration und der auf ein Minimum reduzierten Ästhetik. Diese Art der puren, reinen Spiritualität im Geiste des Zen-Buddhismus manifestierte sich auch in den späten Arbeiten von Max G. Bailly.

1976 trug Max G. Bailly wesentlich zum Aufbau der noch „Freie Kunstschule Nürtingen“ genannten FKN bei – zunächst in der Laiblinstegstraße, später auch am heutigen Sitz in der Textilfabrik auf dem Melchiorareal. Gemeinsam mit dem Gründungsvater K.H. Türk und einigen weiteren Studierenden packte er tatkräftig mit an und machte – mit Hammer und Schubkarre ausgestattet – aus den Räumen das, was ihn Zeit seines Lebens beschäftigen sollte: einen künstlerischen Freiraum, einen Ort des Sinnenspiels.

40 Jahre alt war Max G. Bailly damals, ein Suchender, der nach seinem Studium an der Werkkunstschule Wiesbaden und seiner Tätigkeit als Innenarchitekt dem Ruf der Kunst folgte – seinem künstlerischen Drang, der ihn bis an sein Lebensende täglich begleiten sollte. So bestand etwa seine 2017 in der Galerie der FKN gezeigte Ausstellung „Partitur eines Jahres“ aus 224 kleinformatigen Tageswerken – für jeden Tag ein Bild. Den Wunsch, seine letzte Ausstellung im Forum Türk im Mai 2025 mit einem musikalischen Programmpunkt in der Galerie der FKN abzuschließen, konnte er nicht mehr umsetzen.

Max G. Baillys Kunst war stets an sein unmittelbares Umfeld gebunden. Viele Impulse verarbeitete er zeitgleich – und er ließ ein umfassendes, vielschichtiges Œuvre entstehen. Die Lehrtätigkeit war ihm immer eine Herzensangelegenheit, er unterrichtete an der FKN und an der Hochschule für Kunsttherapie in Nürtingen, gab zahlreiche Workshops und entwickelte seine ganz eigene freie Methode des Freihandzeichnens.

Der FKN blieb er stets eng verbunden und wirkte als aktives Mitglied lange im Akademieverein mit. Seinen Rat und seine Meinung haben wir als Vorstand und Akademieleitung immer sehr zu schätzen gewusst.

Sein engagierter Kampf für den Pazifismus und sein künstlerischer Umgang mit den Kriegsgeschehnissen – sei es als Kind in Frankfurt am Main oder in den Krisenherden heute – haben uns tief berührt und bewegt. Seine Begeisterung für die Kunst, sein genauer Blick, seine Wertschätzung und Wahrnehmung der kleinen Dinge und sein strahlendes Wesen werden uns sehr fehlen.

Winfried Stürzl, Susanne Schumacher, Uta Spiegel (Vorstand der FKN)
und Katrin Burtschell (Vorstand 2010–2019)

Max G. Bailly beim Festival „coming in!“, Nürtingen, 2024
(Foto: Katrin Burtschell)

Max G. Bailly, aus der Serie „Partitur eines Jahres“, 2017